Pflanzinseln direkt auf dem Gras schaffen

No-Dig: eine Regiogruppe des Vereins Permakultur Schweiz hat runde Mulchinseln mit Gemüse beflanzt ohne umzugraben. In Haufen aus Rasenschnitt, Laub, Baum- und Strauchschnitt gruben sie einen Schacht, den sie mit Erde von Maulwurfshügeln befüllten und setzten auf das Ganze Gurken-, Tomaten-, Kürbis, Zucchini- und Mangold-Setzlinge.


Foto Ueli Scheuermeier

von Ueli Scheuermeier

Im Verein Permakultur Schweiz tauschen wir uns in einem eigens dafür geschaffenen Forum über Erfahrungen mit praktischen Anwendungen der Permakultur-Prinzipien aus. Alle Mitglieder können hier aus ihren Projekten berichten, Ideen teilen und Feedback bekommen. Im sogenannten StaKu wird dann der momentane Stand der Kunst als Dokument für alle sichtbar gemacht. Aus der Hostet Elfenau (Hostet ist Berndeutsch für Obstgarten) in Bern berichtet Ueli Scheuermeier über die Idee der Regiogruppe, mit wenig Aufwand und den vorhandenen Ressourcen etwas Essbares zu produzieren, ohne den Boden umgraben zu müssen. Entstanden ist dabei die sogenannte Wasen-Pizza (Wasen bedeutet auf Hochdeutsch Wiese).

Die Ausgangssituation

Wir wussten nicht, wohin mit einer grossen Menge Gras, die wir drei Wochen zuvor gemäht hatten. Ausserdem hatten wir viele Schnitzel vom Obstbaumschnitt und der benachbarten Gärtnerei, einen Haufen Laub und Maulwurfhügel an vielen Stellen im Gras. Im Vorjahr hatten wir bereits versucht, Zucchetti (= Zucchini in Deutschland) und Kürbis auf diese Maulwurfhügel zu setzen und sie mit Holzschnitzeln gegen Schnecken zu mulchen. Kürbisgewächse sind aber Starkzehrer und wuchsen daher eher kümmerlich. Also haben wir überlegt, ob wir zusätzlich das halb verfaulte Gras verwenden könnten, und zwar lokal ganz massiv in Haufen. Doch Setzlinge so hoch direkt in das Gras zu setzen, könnte wegen der Faulstoffe und des fehlenden Bodenkontaktes vielleicht nicht funktionieren.

Die Idee

Wir setzen in die Grashaufen einen Schacht Maulwurfserde, in die dann der Setzling kommt. Rundherum wird grosszügig mit einer 10–20 cm dicken Schicht aus Laub, Strauch- und Baumschnitt gemulcht.

Unsere Vision

Wir wollen nirgends offenen Boden, es muss immer alles bewachsen oder bedeckt bleiben. Wir möchten sukzessive den Boden in holzig-pilzigen Waldboden verwandeln.

Das Vorgehen

1. Das in der unmittelbaren Nähe verfügbare Gras spätestens im März (oder im Herbst davor) mähen und zu Haufen von ca. ein bis zwei Meter Durchmesser aufschichten.

2. Laub und danach die Schicht aus Strauch- und Baumschnitt darüber geben und flachtreten. Je höher diese »Biomassepizza« wird, desto besser. Der Durchmesser sollte maximal 1,5 Meter betragen, sodass man am Rand stehend mit den Händen noch in die Mitte reichen kann.

3. Durch diese Schichten von Hand Schächte graben, dazu die Schicht aus Laub, Strauch-, Baum- und Wiesenschnitt von Hand zur Seite drücken. Diese Schächte gehen bis hinunter zum Wasen. Anschliessend mit Erde von Maulwurfshügeln oder Kompost füllen.

4. Anfang bis Mitte Mai Setzlinge pflanzen. Ranker und Spreizer in die Mitte (Gurken, Tomaten), Kriecher und sonstiges an den Rand (Kürbis, Zucchetti, Krautstiel/Mangold).

5. Als Kletterhilfe dient ein Dreibein aus starken Ästen, das oben wieder auseinandergeht. Dazu ca. ein Meter über der Mitte der Pizza zusammenbinden und z. B. Gurke an einer Schnur hoch ziehen. Das gibt Stabilität für alles weitere, das ranken (Gurke) oder spreizen (Tomaten) will.

6. Fortlaufend im Juni bis Juli weitere Äste nach Bedarf ans stabile Dreibein binden.

7. Kürbisse ins Umland kriechen lassen.

8. Gras weiter nur dort mähen, wo man durchkommen will, und als Mulch auf die Pizza unter die Pflanzen legen.

9. Ernten.

10. Pizzas über den Winter stehen lassen und wieder erneuern, indem zuerst Biomasse und zuoberst die Mulchschicht aufgebracht wird.

Das Feedback

Schnecken! Wir hatten hohe Verluste an Setzlingen, die wir zum Teil mehrmals ersetzen mussten. Wir hatten Schnitzel und Laub gemischt und als Mulch über das faulende Schnittgut gelegt. Solcher Mulch scheint für Schnecken attraktiv zu sein, vor allem wenn Kompost in den Schächten ist. Hinzu kam feuchtes und kaltes Wetter, welches den Schnecken zu Gute kam und die Setzlinge langsam wachsen liess. Am besten überlebten sehr starke Setzlinge.

Unsere Tipps

  • Nur mit starken Setzlingen arbeiten, eventuell auch in unten offenen Kisten mit Schneckenrand geschützt anziehen und mit der Kiste in die Pizza-Pflanzinsel setzen. In Zukunft nicht mehr Laub und Strauch- und Baumschnitt mischen, sondern zuerst das Laub auf das Gras, darüber dann holziges Material. Reine Schnitzel an der Oberfläche scheinen Schnecken weniger zu behagen.
  • Wo Setzlinge den Schnecken davon wuchsen, gab es sehr starken Wuchs. Wir erklären uns das so: Die Wurzeln waren zu Beginn geschützt in der Maulwurferde/Kompost, wuchsen dann ins faulende Gras und zehrten davon. Anschliessend zehrten sie vom verfaulenden Wurzelwerk des absterbenden Wasens unter der Pizza. Zum Vergleich: Setzlinge direkt im Wasen ohne Pizza (z. B. nur auf Maulwurfhaufen) wuchsen mickrig und langsam.
  • Eine Überraschung waren die Tomaten: Völlig ohne Dach im Freien und trotzdem bis in den August starke Pflanzen mit viel Ertrag und ohne Braunfäule. Eine mögliche Erklärung: Es gab keinen offenen Boden, von dem die Pilzsporen aufsteigen könnten, stattdessen grosse Durchlüftung durch die im Abstand voneinander stehenden einzelnen Dreibeine. Wo Pizzas ausschliesslich mit Tomaten bepflanzt wurden, entstand ein Tomatendickicht, weil wir nicht dazu kamen, Seitentriebe auszubrechen. Besser scheint es, nur einzelne Tomaten in der Mitte zu pflanzen und drumherum Kürbisse, Krautstiele usw. zu setzen.
  • Das Davon-Kriechen der Kürbisse hat funktioniert: Sie überwuchsen das Gras in den Räumen zwischen den Pizzas. Viele Kürbis-Sorten bilden aus den kriechenden Stängeln Wurzeln, deshalb nicht klettern lassen.
  • Überraschend waren auch die Krautstiele: Wo sie den Schnecken davonkamen, entstanden sehr starke Pflanzen.
  • Das Dreibein-Gestell ist entscheidend: Wo wir mit einem schwachen Dreibein begannen, gab es später mehr Arbeit, die Gestelle aufrecht zu halten. Daher das Dreibein aus mindestens 2 m langen Ästen machen, die einen Meter über der Mitte der Pizza zusammengebunden sind. Das war hilfreich, um anschliessend weitere Stecken nach Bedarf anzubinden.

Wie weiter?

Wir werden das Experiment wiederholen und erweitern. Möglicherweise könnten wir die Wasen-Pizzen auch schon im Herbst/ Winter anlegen. Wir sind erstaunt, wie viel trotz Schnecken wachsen konnte. Die Hauptstrategie: Sehr starke Setzlinge später setzen und vor angekündigtem Warmwetter, eventuell auch in Schneckenkragen oder selbst gebauten Kisten. Und konsequentes Training der Schnecken: Ablesen und zum nahe gelegenen Schneckenbüffet bringen.

Runde Inseln sind gut wegen einfacherem Zutritt, aber beim Ausweiten durch die ganze Hostet ist auch ein lang gezogenes Beet denkbar. Somit würden Wege für den Transport von Gras, Mist und Mulch entstehen, bis die Kürbisse diese zuwachsen. Das ganze Vorgehen für eine Wasen-Pizza müsste auch auf Rasen in Quartiergärten und Abstandsgrün zwischen Wohnblöcken möglich sein, womit Grasschnitt und Strauchschnitt wie auch Laub genutzt werden können, welche sonst meist mit der teuren Grünabfuhr entsorgt werden.

Wir haben jetzt schon begonnen, Johannisbeeren, Holunder und weiteres zu setzen. Sie werden die Kürbisse und Tomaten mit der Zeit ersetzen. Oder eignen sich Kürbisse als Unterschicht? Solche Pizzen wären also die erste Phase einer Sukzession vom Gras zum Waldboden. Wobei Tomaten und Kürbisgewächse botanisch auch Beeren sind und daher vermutlich ursprünglich Lichtungspflanzen. Also genau das, was in Waldgärten gehört? Zielen wir also auf ein Gemisch aus Obstbäumen, Beerensträuchern, Tomaten und Kürbissen?

Langfristig fragen wir uns: Was wird das Gras als Nährstoffquelle für die Starkzehrer ersetzen? Und später für die ganze Fläche, wenn wir auf Waldboden umgestiegen sind? Grünschnitt von Gärten im Quartier? Klar ist: Wir graben nicht, wir machen keine Pflanzbeet-Vorbereitung, wir kompostieren nicht, um das ewige Umschichten und Sieben zu vermeiden, wir jäten nicht (zu dicker Mulch), wir giessen nicht einmal (der dicke Mulch!). Wir zelebrieren die Faulheit! Wir wollen dieses Vorgehen weiter entwickeln und uns darüber austauschen.

Wer probiert die Wasen-Pizza aus und berichtet über Erfahrungen? Wer kann uns etwas zu möglichen negativen und positiven Auswirkungen sowie zu Verbesserungsmöglichkeiten sagen? Wer hat Fragen zum Vorgehen? Schreibt an sekretariat@permakultur.ch!


Bereits erschienen im Permakultur Magazin, Ausgabe 2025 für Vereinsmitglieder von Permakultur Schweiz, Permakultur Austria und Permakultur Institut. Das Permakultur Magazin entsteht in Zusammenarbeit der drei Vereine. Diesen Beitrag hat Ueli Scheuermeier von Permakultur Schweiz geschrieben. Ueli hat in den 70-Jahren als Agronomie-Student die Anfänge der Permakultur mitbekommen und mit Bill Mollison in Nepal in den 80er-Jahren einen Permakulturkurs organisiert. Heute ist er weiterhin international vor allem in Ostafrika unterwegs. In Bern engagiert er sich unter anderem im Gemeinschaftsgarten, für die Elektrizitätsautonomie im Quartier und in der Agglomerationslandwirtschaft in der Elfenau. uelischeuermeier@gmail.com

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