Permakultur und Kochen – Lasst uns das Feuer entfachen

Von Christiane Kupfer, Thom Meiseberg, Anke Reule, Claudia Schmies, Carolin Herrlich und Marc Dannhausen

Permakultur und Kochen – passt das zusammen? Mit der Zubereitung von Essen das Wesen der Permakultur sichtbar und erlebbar machen? Wir wollen zeigen, dass die Koch- und Esskultur elementarer Teil permakulturellen Denkens und Agierens ist. Auf der Sommerakademie 2022 sind wir den entscheidenden Schritt von der Idee zum Projekt gegangen, haben Ideen konkretisiert und bereits den ersten Schritt in die Umsetzung getan.


Warum Permakultur und Kochen?

Kochen macht Spaß, Essen auch. Vielleicht war das die erste Motivation, dieser Gruppe beizutreten. Wichtig ist uns aber auch, dankbar gegenüber dem zu sein, was uns Natur und Garten Leckeres zur Verfügung stellen. Aus dieser Dankbarkeit leiten sich wichtige Fragen ab, zum Beispiel: Wie gehe ich mit Lebensmitteln um? Mit wem teile ich gern – nur mit meinen Liebsten oder auch mit anderen Naturteilnehmenden wie Vögeln oder Nagetieren? Was mache ich mit den anfallenden „Abfällen“? Und ist mir der Boden, in dem das Gemüse gewachsen ist, egal, oder achte ich auf einen bodenschonenden Anbau? Schon vor der Zubereitung – bevor wir unsere Küche überhaupt betreten – erkennen wir die Ethik der Permakultur: earth care, people care, fair share – die unverzichtbaren Nährstoffe jedes Designs.
Die Idee für dieses Projekt fußt auf Thoms Meisebergs Projektdokumentation zur Mustersprache des Kochens. Thoms Vision war es, ein Kochbuch zu kreieren. Doch allein war dies für ihn nicht umsetzbar. 2021 haben wir uns dann mit mehreren Studierenden und Thom zusammengetan, um gemeinsam an dieser Idee zu arbeiten und daraus ein Projekt zu generieren. In der ersten Phase der Zusammenarbeit haben wir unser gemeinsames Projekt definiert: Was sind unsere Ziele und Anliegen? Was bewegt uns, daran  mitzuarbeiten? Welche Themen wollen wir unterbringen und mit welchen Qualitäten möchten wir das Projekt erleben? Und wie wollen wir zusammenarbeiten? Wir haben viel beobachtet und Rückschlüsse aus unseren Beobachtungen gezogen. Das Ziel dieser ersten Phase war, eine lebendig miteinander agierende Gruppe zu gründen, die ein gemeinsames Gestaltungsanliegen formulieren kann. Die Hauptfrage dabei lautet: Wie lässt sich der Umgang mit Lebensmitteln, deren Zubereitung und der Verzehr in ein permakulturelles Design gießen?

 

Muster – wir könnten nicht anders

Muster bestimmen – bewusst oder unbewusst – unser gesamtes Leben, seien es unsere eigenen (beispielsweise Denk- und Handlungsmuster) oder auch die, welche wir in der Natur finden. Zum Beispiel das Verhalten von Pflanzen bei geringen oder größeren Wassergaben oder das Muster, welches entsteht, wenn man einen Stein ins Wasser wirft. In der Permakulturgestaltung nutzen wir  sie für gärtnerische und soziale oder auch finanzielle Projekte. Bei der Gestaltung von Räumen hilft uns die Mustersprache Christopher Alexanders (A Pattern Language 1977). Alexanders menschenzentrierte Architektur mit ihren Mustern ist in vielen Bereichen wie Softwareentwicklung, Organisationsentwicklung oder Musik und Permakultur außerhalb der Architektur aufgenommen und weiterentwickelt worden.

Und wie ist das bei der Zubereitung unseres Essens? Die Art und Weise der Zubereitung und der Einnahme von Nahrung ist in allen Gesellschaften nicht nur kulturell gewachsen, sondern durch ihre Ritualisierung (sehr strenge Handlungsmuster) sogar kulturprägend – ein typischer Fall systemischer Koevolution. Selbst wenn wir in der Küche improvisieren, folgen wir bestimmten Mustern: Welche Zutaten habe ich, wie kann ich sie zubereiten, welche der vorhandenen Kräuter und Gewürze peppen das Ganze auf? In welcher Reihenfolge mische ich die Zutaten und warum kippe ich das Dressing erst kurz vor Verzehr über den Salat?
Erweitern wir das Blickfeld noch ein wenig. Deutlich erkennbare Muster ziehen sich durch Gärten, Küchen und Vorratsregale. Wir bauen eigene Kräuter an im Garten, auf der Fensterbank oder dem Balkon und kochen vorwiegend mit regionalen, saisonalen Zutaten, deren nicht essbare Reste im eigenen (Wurm-)Kompost landen. Mehr oder weniger sichtbar, mehr oder weniger vollständig offenbaren sich die Gestaltungsprinzipien David Holmgrens und spiegeln unsere Werte wider.

Unser Werkzeugkoffer – das Gewürzregal

Welche Zutaten, welche Werkzeuge benötigen wir, um ein gemeinsames „Gericht“, ein Design zu entwerfen, mit dessen Hilfe wir das Wesen der Permakulturgestaltung sichtbar oder sogar erlebbar machen können? Werfen wir einen Blick in unser Gewürzregal. Da sind kleine und große Gläser, Fläschchen, Tiegel und Tüten mit verschiedenem Inhalt: eine Paste zur Schärfung der Beobachtungsgabe zum Beispiel. Oder würzige Flocken zur Stärkung der Interaktionsfähigkeit für ein integratives Risotto. Daneben Öle und Kompositionen für kleine und langsame Lösungen, für Einfallsreichtum und Abfallvermeidung, für Vielfalt und Einfallsreichtum.

In großen Vorratsgläsern finden wir getrocknete Blätter, Blüten und Kräuter: belebende Mischung aus dem Zukunftswald, entspannende Mischung mit Blüten und Kräutern aus dem Vielfaltsgarten und fruchtiger Mix aus dem alten Beerenhain am Fluss. In einer Schublade warten Pfannenwender, Rührlöffel und Anzünder auf ihren Einsatz und an der Tür hängt das Kochbuch – die Permakultur-Methodensammlung nebst Gestaltungskriterien.

Ran an den Herd – wo wir sind, ist das Feuer!

In der Küche und am Projekttisch wird geschnippelt, vermengt, gebrutzelt und die Ergebnisse werden gebührend gefeiert. Wir sammeln Ideen: von der Sammlung von Rezepten über Veröffentlichungen wie Blog und Internetauftritt bis zu einem eigenen Magazin – langfristig sogar ein Buch? Kurse soll es geben und Koch-Events, mit einem eigenen Küchenteam wollen wir Permakultur-Veranstaltungen bekochen.
Doch was sagen unsere eigenen Ressourcen und Begrenzungen dazu? Eine zeitliche Zonierung hilft uns beim Planen. Wir beginnen mal, ganz im Sinne der Permakultur, mit kleinen und langsamen Lösungen mit diesem Blogartikel und arbeiten uns mit einzelnen redaktionellen Beiträgen langsam vor, hin zu einem eigenen Internetauftritt. Schwerpunktmäßig sollen sich diese Beiträge rund um eine nachhaltige Esskultur, Rezepte und schwerpunktverwandte Themen drehen.

Und wo bist du?

Wo immer du bist, es ist die Zeit des Erntens, Teilens und Feierns – tief im Westen der Acht Schilde. Geh raus und schau, was sich ernten, verarbeiten oder für die „ärmere“ Jahreszeit konservieren lässt. Entfache dein eigenes Feuer, halte und teile es – Wir sehen uns in der Küche!

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