La Ferme Légère - konsequent Energie sparen

Sind wir bereit, kleine Einbußen in unserem Stromverbrauch in Kauf zu nehmen, um ein sauberes Gewissen unserem Klima und unseren Ressourcen gegenüber zu haben?


Bildrechte Ferme Légère

Wieso veröffentlicht eine Gemeinschaft auf ihrer Website Bilder in Grautönen, auf denen man nur schemenhaft erkennt, was dargestellt ist? Ein Blick auf den Namen »La Ferme Légère« (wörtlich »Die leichte Farm«) und zwei, drei Gedanken weiter ist der Zusammenhang hergestellt, und ich bin beeindruckt ob der Konsequenz dieses Projekts – da muss ich hin! La Ferme Légère in Südfrankreich hat es sich zur Aufgabe gemacht, ehrlich mit ihrem Ressourcenverbrauch umzugehen und höchstens so viel, wie es die planetaren Grenzen zulassen, zu verbrauchen. Dazu gehört auch der Energiebedarf einer Website: Je weniger Daten auf dem dazu gehörigen Server liegen, desto weniger Energie braucht er für die Bereitstellung der Website. Hochaufgelöste und farbige Fotos haben mehr Bytes, sind also schwerer als Fotos in Graustufen.

Nachdem ich selbst auf der Suche bin nach ehrlichen, konsequent handelnden Projekten, bin ich neugierig und informiere mich über die Besuchsbedingungen, die vielfältig und niederschwellig sind: vom Besuchersonntag mit ausführlicher Führung über das Gelände und gemeinsamen Mittagessen, über mehrtägige Baustellen und WWOOFen bis zu einmonatigem Probewohnen. Am Jahresende 2024 wird nur noch eine Arbeitswoche angeboten, und ich melde mich spontan an.

In meiner Mail schreibe ich, wie toll ich es finde, dass sie die Frage des Energieverbrauchs so konsequent durchdeklinieren. Ein Thema, das mir selbst sehr am Herzen liegt, ist es doch die Basis von Permakultur und Mollisons Ansatz der Gestaltung von Energiekaskaden. Mit dem Ansprechen des unsichtbaren Energieverbrauchs der neuen Medien und Technologien stoße ich, auch bei Permis, oft auf Achselzucken oder auf die Antworten der Ausreden-Gesellschaft. Deshalb bin ich sehr neugierig und interessiert, welche Antworten diese Gemeinschaft auf ihren Umgang mit Energie gefunden hat.

Gründung und Infrastruktur

Die Ursprünge der Ferme Légère liegen in einer Degrowth-Gruppe aus Oloron 2007, die ein Leben mit weniger Energieverbrauch suchte und sich bewusst war, dass das alleine oder als Paar nicht zu stemmen ist. Es braucht Gemeinschaft. Ein Sprichwort sagt: Alleine geht man schneller, zusammen geht man weiter. Die Suche fiel 2015 auf einen kleinen Hof in den Hügeln nördlich von Pau, des Verwaltungssitzes des Départements Pyrénées Atlantiques. Die zwei Bedingungen bei der Suche waren: Der nächste Bahnhof sollte mit einem Fahrrad erreichbar sein und die Farm über ausreichend Gebäude verfügen. Renovieren verbraucht weniger Energie und Materialien als ein Neubau. Außerdem ist auf diese Weise ein Bezug des Geländes früher zu erreichen. Mittlerweile verfügt das umgebaute alte Farmhaus über sechs Privatzimmer, ein Schlaflager für Besuch, eine große Küche und zwei Duschbäder. Eine Residentin bewohnt ihre eigene Jurte. Platz für mobiles Wohnen gibt es genug, die feste Belegschaft besteht aus drei bis zehn Personen. Das Jahr über sind im Schnitt täglich zehn Personen vor Ort, WWOOFer und Gäste mitgezählt.

Energiesparende Umbauten

Energetisches Plus dieses Hauses, das in traditioneller Weise mit Feldsteinen gebaut ist: An der Südseite verläuft eine verglaste Veranda, die die Hauswand dahinter aufheizt und Wärmeverluste im Haus ausgleicht. Da die Treppe in den ersten Stock offen ist, kann das ganze Gebäude mit dem zentralen Grundofen in der Küche beheizt werden – und selbst der ist auch im Winter nicht jeden Tag an. Nord- und westseitig wird die verglaste Veranda mit einem Vordach fortgeführt, das die Außenküche, Vorratsschränke und die Komposttoilette schützt. Denn Regen ist ein fast tägliches Wetterphänomen in dieser Gegend. Darüber hinaus gibt es eine große Scheune für Gerätschaften, eine Backstube und ein Nebengebäude, dessen erster Stock in einen »Festsaal« umgebaut wurde mit Lowtech-Solar-Luftpanels, die die darin erwärmte Luft in den Raum leiten. Während meiner Arbeitswoche isolierten wir dort das Dach von innen mit Holzwolle und Stoffen und diskutierten die Ausgestaltung des Fußbodens.

»Wir haben uns von der Idee verabschiedet, dass wir uns nach ein paar Jahren harter Arbeit ausruhen können.«

Die Farm verfügt über elf Hektar Weiden und Wald, der Großteil in einem Stück, was schwer zu finden ist auf dem Immobilienmarkt in Frankreich. Für einen landwirtschaftlichen Betrieb im herkömmlichen Sinne ist das zu klein – und Personen, die vom Leben auf dem Land träumen, sind von einer solchen Größe überfordert. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass für eine ökonomische landwirtschaftliche Basis weder genug Platz noch genug Arbeitskraft vorhanden ist. Das kapitalistische Wirtschaftssystem verschlingt zu viele Ressourcen durch Verkauf, Lagerung und Marketing, die anderswo sinnvoller eingesetzt werden können. Nach zehn Jahren hat die Gemeinschaft deshalb beschlossen, die landwirtschaftliche Produktion nur für die Selbstversorgung zu betreiben. Im Moment wird auf einem halben Hektar genug Gemüse und Obst für etwa zehn Personen hergestellt. Zitrusfrüchte werden im Winter in einer Großbestellung aus Spanien eingekauft. Trockenwaren und Mehl kommen aus dem Bio-Großhandel, da es schwierig ist, ausreichend davon selbst herzustellen. Mit Trockenbohnen werden erste Erfolge erzielt, aber für andere Hülsenfrüchte fehlen Flächen und Erfahrungen. Getreideanbau in kleinen Mengen und auf hügeligem Gelände macht keinen Sinn, da auf solch komplizierten Flächen der maschinelle Anbau scheitert. Esskastanien als Alternative zu Weizen und Co. wachsen nicht auf diesem Boden. Sie könnten allerdings auf Eichen veredelt werden, die hier die natürliche Klimaxvegetation (Anmerkung der Redaktion: Als Klimaxvegetation wird in der Ökologie ein relativ stabiler Endzustand im Artenspektrum der Vegetation bezeichnet, der sich im Laufe der Sukzession an einem bestimmten Standort herausbildet.) darstellen.

Im Rückblick auf 2020 haben sie festgestellt, dass die Arbeit unterschätzt wurde, die Weiden frei von Aufwuchs zu lassen. Deshalb gibt es jetzt Esel, Schafe und Ziegen, die hauptsächlich dem Freihalten der Wiesen dienen und die auf den Teller kommen, wenn es tierischen Nachwuchs gibt oder der Aufwand zu hoch wird, um die Tiere zu ernähren. Ihr Mist gelangt wieder in den Garten. Auf Mechanisierung wird größtenteils verzichtet, Heu wird mit der Sense gemacht – und JA, das ist sehr viel aufwendiger als Traktor und RoundUp. Es bleibt einfach immer viel Arbeit, einen gewissen Status quo an offener Weidelandschaft aufrecht zuerhalten, auch wenn die Systeme im Laufe der Jahre durchdachter und effizienter werden. Marc, Mitgründer der Ferme Légère, beschreibt es so: »Wir haben uns von der Idee verabschiedet, dass wir uns nach ein paar Jahren harter Arbeit ausruhen können.«

Energie im Alltag

So erlebte ich auch meine Woche auf der Ferme Légère: Es wird kontinuierlich gearbeitet, manchmal auch am Sonntag. Alle sind für ihre Freizeit selbst verantwortlich und geben Bescheid, wenn sie nicht da sind. Gleichzeitig bricht man sich nicht die Knochen. In der Winterwoche mit Kälte und Nässe fingen wir beispielsweise nicht vor 9:30 Uhr an. Es gibt Menschen, die früh aufstehen und alleine Salatsetzlinge pflanzen, aber niemand anderem ihren Zeitplan aufzwingen. Und fertig ist es, wenn ein zufriedenstellendes Level erreicht ist.

Ein Job ist es, einmal die Woche für alle zu kochen. Diese Person ist dann für zwei Mahlzeiten zuständig und hat dafür den Holz-Rocketstove und einen Solar-Parabolkocher draußen, die Kochkisten und den Grundofen drinnen zur Verfügung. Dabei sollte immer das Gerät bevorzugt werden, das je nach Wetterlage und Aufwand des Gerichts am effizientesten arbeitet: An sonnigen Sommertagen für frisch Gebrutzeltes der Parabolkocher, im Winter der Grundofen in der Küche, der auch zum Heizen angefeuert ist. Wer neu oder als Gast auf der Farm ist, kann sich bei der Wahl und Bedienung der Geräte von der Belegschaft beraten lassen.

Auf der Ferme Légère findet man keine Gasflaschen und nur zwei Elektrokochplatten, die im Sommer bei vollen Batterien benutzt werden. Warmes Wasser für das Frühstück wird abends zusammen mit dem Essen heiß gemacht, in Thermosflaschen abgefüllt und in der Kochkiste aufbewahrt. Apropos warmes Wasser: Das Wasser zum Duschen kommt aus Solarpaneelen. Der Strom aus einer 5 KW/24 V-Solaranlage, die nach vielen Versuchen und Diskussionen installiert wurde, produziert genug Strom für Licht, Aufladen von Akkus, Computer, Waschmaschine, Kühlschrank und nicht viel mehr. Eine sehr ausgeklügelte Tabelle zeigt, welche Nutzungen bei welchem Batterieladestand möglich sind. Sinkt die Batterie unter 60 %, wird sie nachts komplett vom Netz genommen, was in der Woche im Dezember ein paar Mal der Fall war. Das heißt auch, es gibt keine elektrischen Gadgets, und das Laden des Laptops muss manchmal ein paar Tage warten. Dieser tägliche und bewusste Umgang mit dem Thema Energie macht überhaupt erst klar, wie selbstverständlich wir sonst damit umgehen. Viele unter uns machen sich wenige oder keine Gedanken darum, wie viel Energie wir verbrauchen, wo und wie sie produziert und gespeichert wird.

Sauberes Gewissen kontra Komfortzone

Sind wir bereit, kleine Einbußen in unserem Stromverbrauch in Kauf zu nehmen, um ein sauberes Gewissen unserem Klima und unseren Ressourcen gegenüber zu haben? Das bedeutet im Winter im Kalten aufstehen und erst mal heizen – damit alle, die später aufstehen, eine warme Küche vorfinden. Ist es nicht eher natürlich, sich den Jahreszeiten und ihrer Witterung anzupassen, als im Winter bei 22°C in der Wohnung in Sommerkleidung herumzulaufen? Wie viel uns diese Bequemlichkeit kostet, beweist ein Blick auf die Energieträger-Rechnung und die politische Weltlage. Dort geht es längst nicht mehr um Eitelkeit und Imperialismus der Herrschenden, sondern um Kampf um Ressourcen und Flächen. Wie viel Komfort sind wir bereit aufzugeben, wenn wir einen fairen Umgang mit dem Rest der Weltbevölkerung pflegen und nicht mehr verbrauchen wollen als diese eine Erde bietet?

Schlussfolgerungen aus dem Energie-Audit

La Ferme Légère traf diese Entscheidungen konsequent. Ein befreundeter Energieberater kalkulierte alle Jahresverbräuche, erstellte einen Energie-Audit, der regelmäßig wiederholt wird. Die Quintessenz dieses Berichts lautet, dass Sparen an der Heizung oder an der Nutzung von Geräten nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist und in der Gesamtbilanz nicht viel verändert. Der Verzicht auf einen Verbrennungsmotor aber wohl. Also ist Transport und Reisen (selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln) der Posten, der den ökologischen Fußabdruck enorm vergrößert.

»Wenn ihr nicht an den Fahrzeugen spart, bleibt alles Politur« meinte der Energieberater.

Die Menschen, die auf der Ferme Légère wohnen, legen die meisten Strecken mit dem Fahrrad oder per Autostopp oder Mitfahrgelegenheit zurück – eine Herausforderung in dieser hügeligen Gegend. Sie haben sich deshalb für Elektro-Fahrräder entschieden, die am eigenen Solarsystem geladen werden. Eine Auswahl von verschiedenen Fahrrädern, vom Liegerad bis zum Mountainbike, steht zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es ein Auto Typ Kombi mit geringem Dieselverbrauch, das für Transporte und Fahrten zu einem Arzt- oder Behördentermin um 8 Uhr morgens benutzt werden kann, wenn selbst die Hartgesottensten nicht das Fahrrad in die eine Stunde entfernt liegende Stadt nehmen wollen. Die Kosten werden je nach Kilometerleistung auf die einzelnen Personen, die das Auto nutzen, umgelegt, der Unterhalt geteilt.

Quantitative Energie

Das Thema Fortbewegung wird bei der Betrachtung ökologisch-sozial verträglicher Projekte und Gemeinschaften oft ausgeklammert. Gemüse selbst zu ziehen, beim Heizen zu sparen und Gebäude gemeinschaftlich zu nutzen, sind gute Ansätze für einen ressourcenschonenden Lebensstil, aber wie Marc gerne sagt: Das ist qualitative Ökologie, nicht quantitative. Nimmt man die Rechnung des ökologischen Fußabdrucks ernst, muss man quantitativ vorgehen und alle Verbräuche einbeziehen. Auch unser Mobilitätsverhalten lässt sich berechnen und festhalten. Oft tun wir das aber unvollständig, drücken ein Auge zu, wenn es um die Fahrt ins Wochenende geht oder die Anschaffung eines neuen Geräts. Hier wird ein Thema berührt, das schnell Ängste um die eigene Unabhängigkeit und Freiheit schürt. Bei anderen Themen wie Heizen oder Nahrung wird meist weniger emotional diskutiert als beim Reisen. Jeff, der Energieberater, begleitet das Projekt seit mehreren Jahren. Er meint, es gehe in die richtige Richtung, aber selbst mit allen Einsparpotenzialen, der netzunabhängigen Stromversorgung und dem hohen Bewusstsein der Mitglieder der Gemeinschaft, verbraucht die Ferme Légère immer noch etwas mehr als »einen Planeten«.

Eine große Frage bleibt, die nichts mit Zahlen und Stromverbräuchen zu tun hat und die mich während meines kurzen Aufenthalts auf der Farm umtrieb: Wie viel Einschränkungen an Komfort und Beweglichkeit sind westeuropäische Menschen bereit, auf sich zu nehmen, um ihren Idealen treu zu bleiben? Oder anders ausgedrückt: Wo liegt die Grenze zwischen schmerzvollem Verzicht und innerer Zufriedenheit angesichts eines reinen Gewissens? Was bin ich bereit zu geben und aufzugeben für das Gefühl, wirklich authentisch zu sein und meine Überzeugungen zu leben? Mit diesen Gedanken entlasse ich euch in den Sommer und komme im nächsten Permakultur Magazin darauf zurück, wie das soziale Design der Ferme Légère aussieht – diese unmessbaren Formen von Energie, die entscheidend sind für die Zufriedenheit und Motivation der Einzelnen und für die Dauerhaftigkeit der Gemeinschaft. Zehn Jahre gibt es sie schon, aber der Lernprozess ist noch lange nicht zu Ende.

 


 

In Permakultursystemen werden Elemente gestaltet, die als kleine Energiespeicher dienen und die die einströmende (Sonnen-)Energie so lange wie möglich auf so hohem Niveau wie möglich halten. Der Abfluss aus dem System sollte so gering wie möglich ausfallen, dies sind hauptsächlich Energieverluste durch Wärme. Beispiel Holz: zunächst sollten Bäume so lange wie möglich wachsen können, werden beerntet und genutzt im lebenden Zustand. Werden Wertholzbäume gefällt, so entsteht daraus zunächst Bauholz erster Qualität (Innenausbau, Dachstuhl), danach kann dieses Holz noch im Außenbereich verwendet werden, bis es schließlich auf dem Komposthaufen oder dem Lagerfeuer landet.

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