Klimaresilienz am Permakultur Institut

Kann Permakultur eine Lösung für die verschiedenen Krisen unserer Zeit sein? Wir finden immer noch: Ja!


Um mit unseren Ökosystemen und unseren Gesellschaften Krisen gut zu überstehen, braucht es mehr Stabilität und Anpassungsfähigkeit. Daher hat sich das Permakultur Institut im Herbst 2024 das Schwerpunktthema Klimaresilienz für die nächsten drei bis fünf Jahre gesetzt. Wir wollen also mit Fachtagungen, Netzwerktreffen und Artikeln dieses Thema voranbringen. Für uns bringt Permakultur-Design genau eine solche Resilienz mit: Wir passen unser Design flexibel an sich ändernde Rahmenbedingungen (z.B. längere Zeiträume ohne Niederschlag) an, nach dem Motto: »Nutze und reagiere kreativ auf Veränderungen« (Prinzipienset von Holmgren). Mit Permakultur-Design schaffen wir ganzheitliche Systeme, die Ökosysteme nachahmen und »Störungen« wie Dürren und Extremwetter besser abfedern.

Möchte ich meinen Garten beispielsweise dabei unterstützen, Trockenperioden besser zu überstehen, kann ich als Strategie versuchen, mehr Wasser im Boden zu speichern (Prinzip »Sammle und speichere Energie«). Humushaltiger Boden tut eben das: Er speichert mehr Wasser. Also erhöhen wir z.B. mit Kompost, Mulchen und No-Dig-Methoden den Humusgehalt im Boden. Ist es längere Zeit warm, können beispielsweise mehr Generationen von Blattläusen in einer Saison vorkommen und sich über Jungpflanzen her machen. Mehrjährige Pflanzen, Agroforst und vielfältige Anbausysteme können Strategien sein, dem zu begegnen. Setzen wir auf vielfältige Pflanzenarten können wir es leichter verkraften, wenn ein Teil der Ernte ausfällt (Prinzip »Nutze und schätze die Vielfalt«).

Über Zusammenhänge und Kontext reflektieren

Permakultur ist nicht nur ein Werkzeugkasten, aus dem wir uns je nach Situation die eine oder andere Methode holen. Vielmehr hat Permakultur die Verbindungen der einzelnen Teilsysteme und den Kontext im Blick. Denn Extremwetterereignisse sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und psychologische Folgen hängen systemisch zusammen. Mit einer permakulturellen Perspektive trennen wir technische Fragestellungen nicht von ökologischen Anliegen und sozialen Bedürfnissen, sondern denken sie zusammen.

Unsere Vereinsvorsitzende Cheryl Meiseberg formuliert dazu folgende Fragen: »In welchem Zusammenhang ist eine bestimmte Situation gebettet? Was oder wer hat noch Einfluss? Was oder wer wird beeinflusst? Permakultur richtet die Aufmerksamkeit auf die Sorge für die Erde, die Sorge für den Menschen und das Begrenzen von Wachstum und das Teilen von Ressourcen. Wenn ich nun mit dieser Perspektive, also dieser Aufmerksamkeit, auf meine Problemlage schaue und meine Entscheidungen davon abhängig mache: Was könnte dann passieren? Beobachten, Achtsamkeit und Langsamkeit sind in Krisenzeiten wichtig. Darauf basierend können wir anschließend entscheiden, was jetzt eine gute Handlungsoption für uns ist«. (siehe Permakultur und Klimaresilienz in der Stadt Hannover)

Lösungsansätze, um Systeme widerstandsfähiger zu machen

Permakultur-Design ist geeignet, klimaresiliente Lösungen zu finden. Das liegt auch daran, dass Permakultur, basierend auf dem Wissen indigener Gemeinschaften, in den 1970er Jahren be-
schrieben wurde, um Probleme der australischen Landwirtschaft anzugehen. Neben Salzbelastung und Überweidung machen der Region Australien seit jeher Bodenerosion, Dürre, Buschbrand und Überflutung Probleme. Letztere kennen wir als Auswirkungen der Klimakrise, die uns heute in Deutschland und Europa betreffen. Mit Permakultur-Design haben wir also gute Ansätze im Gepäck, um die Folgen des Klimawandels mit Gestaltungen abzupuffern und uns und unsere Systeme widerstandsfähiger zu machen. Kein Wunder, dass das Permakultur Institut e.V. den Schwerpunkt Klimaresilienz für die nächsten Jahre festgelegt hat.

Schwerpunkt Klimaresilienz

Im vergangenen Jahr haben wir vermehrt Kurse und Veranstaltungen zu dieser wichtigen Thematik angeboten. Sei es zu Einzelaspekten, wie Dürre und Starkregen begegnen oder klimaange-
passter Stadtentwicklung
, als auch im Kontext von Permakultur Design Kursen und Netzwerktreffen. Mit dem Permaimpuls haben wir zum Beispiel 2025 ein neues Format ins Leben gerufen. Hier konnten sich Interessierte zwei Mal im Jahr eine Woche lang täglich Impulse zu Permakultur-Design und Klimaresilienz in ihr E-Mail-Postfach holen. Im Kurs gab es fachliche Texte, kurze Lernvideos und praxisnahe Übungen, in der ersten Jahreshälfte zum Thema Wassermanagement und in der zweiten zum Thema Bodenaufbau. Fragen konnten die Teilnehmenden am Ende der Woche stellen beim Onlineabend mit fachlichem Live-Input von Permakulturdesigner*innen, z. B. Ronny Regenwurm Müller.

Ganz niederschwellig haben Interessierte außerdem die Möglichkeit, auf unserer Webseite eine Liste mit trockenheitstoleranten Pflanzen für das eigene klimaangepasste Gartensystem
herunterzuladen. Auf unserem Blog berichten Cheryl und Thom Meiseberg im Interview über praktische Beispiele klimaangepasster Stadtentwicklung in Hannover. Doch damit nicht genug: Die beiden arbeiten gerade an einem gemeinsamen Förderantrag mit drei weiteren europäischen Permakultur-Vereinen zum Thema Klimaresilienz in urbanen Räumen. Wenn alles klappt, lest ihr im nächsten Magazin, wie die Kooperation auf den Weg gebracht wird. Eine Tagung zu klimaangepasster Stadtentwicklung gab es im Juni 2026 in Hannover. Auch auf unserem jährlichen Vereinstreffen, dem Wintertreffen, haben wir im Februar 2026 den Schwerpunkt Klimaresilienz gesetzt. Dazu gab es eine Keynote mit anschließendem Workshop.

Neugierig? Dann sei auf einem Netzwerktreffen dabei und komm mit uns ins Gespräch! Zum Beispiel bei der Herbstakademie von 17. bis 20. September 2026.

 


 

Danke

Im Permakultur Institut e.V. verabschieden wir Laura Schöneberg und Sarah Darwish aus ihren Teilzeitstellen. Beide haben den Verein in den letzten Jahren durch ihren Einsatz für Kommunikation und Medien und Organisation stark geprägt. Danke für euer Wirken, eure Impulse und euer verlässliches Sein! Wir freuen uns, wenn ihr dem PKI auf die ein oder andere Weise erhalten bleibt!

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