Gemüsegärtnern als Lebenswerk – Margarete Langerhorst

Margarete Langerhorst, die Mischkultur-Pionierin aus Gugerling in Niederösterreich, ist 2024 verstorben. Dies ist Anlass, hier an sie und ihre besondere Arbeit zu erinnern.


Margarete hatte mit ihrem Mann Jakobus vor 50 Jahren (seit 1973!) eine kleine Gärtnerei aufgebaut. Hier schufen sie in Anlehnung und Weiterentwicklung des Mischkulturanbaus nach Gertrud Franck sowie mit vielfältigen Obst- und Nusspflanzungen ein brillantes Vorbild für die Permakultur. Darin steckten viel Handarbeit, Fachwissen und Pflanzen, und es wurde fast ohne Maschinen und externem Energieeinsatz gewirtschaftet. Sie haben ihre Arbeit erst spät mit dem Thema Permakultur verknüpft, nachdem sie öfters mit ihr in Verbindung gebracht wurden. Ich durfte die beiden in ihrem Lebenswerk im März 1991 kennen- und liebenlernen und habe sie später gelegentlich besucht. Jakobus starb bereits 2013. Seitdem hat Margarete in ihrer wunderbaren, liebenswerten Art die Gärtnerei mit ihrem Sohn weitergeführt.

Da sich Margarete und Jakobus schon fast seit Beginn ihrer Partnerschaft vegan ernährt hatte, führten sie die Gärtnerei auf 3,5 Hektar ohne tierische Hilfs- und Düngemittel über 50 Jahre hin zu einer hohen Fruchtbarkeit. Ich kenne kein vergleichbares Beispiel. Das hat mich sehr überzeugt, auch als Nicht-Vegetarier. Werden die Regenwürmer gefüttert, dann reicht das als »Tierhaltung« völlig aus. Mit ihrem Veganismus sind sie nie hausieren gegangen. Gerade das hat ihn mir viel nähergebracht, auch für die Landwirtschaft als reale Option.

Das angebaute Gemüse wurde von Anfang an per Post an Abonnenten verschickt. Die große Familie mit fünf nun erwachsenen Kindern lebte also von ihren Erträgen – recht einfach, aber gut. Sie hatten eine weitgehende Selbstversorgung und wirklich leckeres Essen. Den ausschließlich händischen Erwerbsgemüseanbau haben sie auf kleiner Fläche sehr intensiv betrieben, nur mit zugekauftem Saatgut, Gesteinsmehl, mit eigenem pflanzlichem Kompost und eine Zeit lang etwas Heu vom Nachbarn als Mulch. Faszinierend für mich: Sie haben mit dem Gemüseanbau auf etwa 5.000 Quadratmetern begonnen und ihn im Laufe der Jahre auf ca. 1.500 Quadratmeter verkleinert – bei gleich bleibendem Ertrag auf hohem Niveau!

»Mit Pflanzen guten Boden schaffen« heißt ein Untertitel eines ihrer Bücher. Das ist voll und ganz gelungen – über einen solch langen Zeitraum wurden und werden dort nur die obersten ein bis zwei Zentimeter flach gehackt, gemulcht, aber keine tiefe Bodenbearbeitung oder Lockerung vorgenommen. Das Gemüse war überwiegend völlig gesund und frei von »Schädlingen«, es wurden keine Kulturschutznetze oder fertige Bio-Spritzmittel eingesetzt (Anm. 1). Die einzige Maschine, die jährlich eingesetzt wurde, war ein Häcksler für Gehölzschnitt. Der händische Anbau war schon recht arbeitsintensiv (Anm. 2), das passt natürlich nicht zum Permakultur-Narrativ ... Der Rest der Gesamtfläche wurde mit Haselsträuchern, Walnüssen (Anm. 3) und zahlreichen kleinen und großen Obstgehölzen bepflanzt. Minikiwis wurden schon vor Jahrzehnten mit Erle als Stützgehölz gepflanzt (gezielter jährlicher Rückschnitt ist unbedingt nötig, daher eher aufwendig). Das gesamte Gelände zeigt, wie ein schöner, produktiver Waldgarten gestaltet werden kann.

Ihre wenig oder nicht gelungenen Beispiele haben sie offen mit mir und anderen geteilt. Auch dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Die Langerhorsts waren liebenswerte und bescheidene Menschen, die in Stille Großes geleistet haben. Sie sind im Permakultur-Kontext nur selten entsprechend gewürdigt worden. Auch weil sie eben keine medienkompatiblen Werbebotschaften verkündeten. Ich habe viel von ihnen gelernt, menschlich wie fachlich, und wünsche mir, dass mehr Menschen auch die leisen Stimmen anderer hören und wertschätzen lernen. Ihr Werk hat mich auf meinem beruflichen Weg stark beeinflusst und vor allem ermutigt. Ich hoffe, dass ich alle Aspekte ihrer Arbeit richtig dargestellt habe, viele der Erinnerungen sind jedenfalls noch in mir lebendig. Die Gärtnerei wird von Sohn und Tochter weitergeführt.

Die Webseite ist bescheiden, ihre Arbeit war sensationell. Margarete Langerhorst zu hören ist noch möglich, dank der Aufnahme eines Vortrags auf dem Symposium Aufbauende Landwirtschaft von 2017.


Lessons learned in Gugerling

  1. In den ersten 15 Jahren wurden die Nacktschnecken abgesammelt und hinter den Wald getragen. Sie wollten sie ja nicht töten. Dann kamen nach und nach weniger davon ins Gemüsebeet. Es gab und gibt so gut wie keine Schäden mehr durch die Nacktschnecken. Auch bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren krochen die Nacktschnecken weiterhin um den Gemüsebereich herum, aber nicht hinein. Die Erklärung? Jakobus erklärte es sich mit dem Humusaufbau, der für die Tiere unattraktiv ist. Eine weitere Erklärung ist, dass wirklich gesunde Pflanzen keine attraktive Nahrung für Schnecken sind. Auch die im alten pflanzlichen Kompost selbst angezogenen Jungpflanzen waren nicht gefährdet. Durch die ausschließlich pflanzlichen Rohstoffe konnte auch jegliche Fäulnis verhindert werden, die für Nacktschnecken attraktiv ist.
  2. Die Beete werden abwechselnd mit Gründüngung und Gemüse bebaut. Zahlreiche Versuche von anderen Menschen, deren Anbau zu kopieren, aber gleichzeitig anders (arbeitssparender) zu gestalten, sind gescheitert oder mir nicht bekannt. Zum Beispiel wurden die Zwischenwege mit Weißklee eingesät, der im zweiten Jahr händisch zurückgerupft wurde. Beim Abmähen dagegen können sich die Ausläufer des Weißklees weiterentwickeln und den Ertrag stören.
  3. Wenn Walnuss enger als ihrer natürlichen Kronengröße entsprechend gepflanzt wird, beschatten sich die Seitenäste, die dann nichts mehr und der Baum insgesamt viel weniger tragen. Das haben die Langenhorsts mir schon 1991 in ihrem Garten gezeigt, und es ist bei ihnen gut zu sehen. Bitte pflanzt daher Walnüsse und Obst in einem Abstand zueinander, der größer ist als die zu erwartende Kronenweite. Niemand schneidet gerne Bäume wiederholt zurück, deshalb ist dieser Fehler überall zu sehen.

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